Zeit für Veränderung: Re-form

„Reform – Zeit für Veränderung“ war am Sonntag das Thema des internationalen Weltgästeführertages. Im Mittelpunkt stand das 500-jährige Jubiläum der Reformation in Deutschland.

Auch die 39 Mitglieder des „Stralsunder Gästeführervereins 07“ luden zu historischen Rundgängen durch die Hansestadt. Parallel zum Reformations-Jubiläum feiert der Gästeführerverein 2017 sein 10-jähriges Bestehen.

Der Ausgangspunkt vieler Reformen am Sund war und ist das Rathaus am Alten Markt. Wobei sich der Bau als Repräsentationsort für die Macht auch selbst immer wieder veränderte. Eine Zeit lang war in dem prächtigen, gotische Bau aus dem 13.  Jahrhundert sogar ein Koophuus. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erfuhr das Stralsunder Rathaus mehrere Erweiterungen. Bis 1340 wurde das Gebäude im Norden und im Süden um Sitzungsräume für den Rat der Stadt, einen großen Saal sowie die Schaufassade zum nördlich gelegenen Alten Markt hin ergänzt. Die Fassade war reich geschmückt mit Figuren sowie mit Wappen von besiegten Fürsten. Im 18. Jahrhundert wurde die Fassade mit barockem Zierrat überblendet und ist dann wieder zurückgebaut worden.

 

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Stralsunder Rathaus, Foto: N. Müller

 

Nach einem Schauplatzwechsel vom Alten Markt zum religiös bedeutenden Johanniskloster tauchten die Geschichtsfans ab in die Luther-Zeit im Norden. Die Reformation gelangte um 1525 nach Stralsund. Die Lehren Luthers wurde in der Hansestadt maßgeblich durch Christian Ketelhot, einem Schüler des großen norddeutschen Reformator Johannes Buggenhagen, verbreitet. Er strandete auf der Flucht nach Livland in Stralsund und predigte in der Hansestadt.

Ausgehend von den Anhängern der neuen Lehre ist es 1525 am Sund zum großen Kirchenbrechen gekommen. „Dabei sind leider sehr viele bedeutende religiöse Bildwerke zerstört worden bzw. verschollen, vor allem viele der ursprünglich 56 Altäre in St. Nikolai“, weiß die Gästeführerin Birgit Berndt. Zwar wurden zwar viele Güter wiederbeschafft, die von Plünderern weggebracht worden waren. Diese wurden dann allerdings aus Hinwirken des Rates der Stadt im Hof des Katharinenklosters vergraben, um der Abgötterei vorzubeugen.

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Führung in St. Nikolai, Foto: N. Müller

Die Pieta auf dem Hof des Jonannisklosters, nach einem einen Entwurf von Ernst Barlach, ist ein Beispiel für bildhauerische Reformen und sie verbildlicht eine gesellschaftliche Veränderung. Ihre besondere Wirkung erzielen Barlachs plastische Bildwerke durch das Darstellen und Suchen von Grenzerfahrungen, wie sie bei enormen Veränderungen auftreten. Die Plastik sollte ursprünglich an die Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnern. Nachdem Erstarken der Nationalsozialisten mutierte der Plan eines Ehrenmals bei den Verantwortlichen in der Stadt immer mehr zum Siegesmal. Barlach zog seinen Entwurf zurück. Erst zu Barlachs 50. Todestag wurde sie von dem Bildhauer Hans-Peter Jaeger ausgeführt.

New Eelam – Markenkonzept für zeitgemäßes Leben

Mit „New Eelam“ testet Christopher Kulendran Thomas, wie eine Marke als Künstler kommunizieren kann. Die Hebel der gängigen Werbewirtschaft werden durch ein Kunstkonzept ersetzt. Und doch wirkt es wie ein Image-Film, wenn man in der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins Harburger Bahnhof im Promotion-Video das erste Mal von dem Projekt des Künstlers erfährt. Begrifflich erinnert „New Eelam“ an an Tamil Eelam, den von den tamilischen Separatisten geforderten Staat im Nordosten Sri Lankas. Kulendran Thomas bezieht sich mit der Installation auf die Auseinandersetzungen auf seiner Geburtsinsel und entwickelt daraus ein neues Konzept von Bürgerschaft und Nationalstaat.

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Ausstellung im Harburger Kultur-Bahnhof, Foto: N. Müller

„New Eelam“ ist ein Hybrid aus einem langfristig angelegten Kunstwerk und einem Technologie-StartUp. Die Idee ist die Kreation eines neuen Wirtschafts- und Eigentumsmodells, das der mobilen Lebensweise angepasst ist. Wie im World Wide Web soll man sich durch die Kollektivierung von Wohnraum auch in der Welt der Dinge überall zu Hause fühlen können. Die Ausstellung im Kulturbahnhof Hamburg-Harburg stellt ein alternatives Wohnkonzept vor, das ein Abonnement auf Wohnraum in den Metropolen der Welt ermöglicht. Darüber informieren kann man sich natürlich auch im Netz unter: new-eelam.com.

Christopher Kulendran Thomas bezieht die Vertriebssysteme des Kunstmarktes in sein Werk mit ein. So verstärkt der Bahnhof als Durchgangsort die Wirkung der Installation. Die ankommenden Züge und vorbeieilenden Passanten geben ein Gefühl vom modernen Nomadendasein, das Freiheit und Flexibilität vereint. Der dort ansässige Kunstverein stellt die Installationen des aus Sri Lanka stammenden Künstlers noch bis 12. Februar aus. Er zeigt Chiffren der gegenwärtigen Existenz und stellt im Zentrum seine postkapitalistische Utopie vor.

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Detail in der Ausstellung von Christopher Kulendran Thomas, Foto: N. Müller

Rebus: Eckerts Experiemente mit Wahrnehmung

Er hat die Fähigkeit, das Besondere im Alltäglichen zu sehen. Nach dem Besuch der aktuellen Ausstellung im Kunstverein Schwerin, möchte man sich auf der Suche nach tanzenden Überbrückungskabeln machen. Denn Karl-Heinz Eckert flaniert mit aufmerksamen Blick durch die Welt und lehrt den Betrachter sie neu zu sehen.

Im E-Werk in Schwerin werden nicht nur seine Fotografien von Oberleitungskabeln gezeigt. Zahlreiche Exponate fragen danach: Was ist Kunst und wie funktioniert unsere Wahrnehmung?

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Einige der Werke funktionieren wie Rorschachtests und werden je nach Erfahrungshintergrund von den Besuchern der Ausstellung anders gesehen und gedeutet.

Daher hat der Kurator und Leiter des Kunstvereins Andreas Wegner die Ausstellung auch „Rebus“ genannt, nach dem Bilderrätsel, was durch eine Zusammensetzung von Dingen entsteht.

Spannend daran ist nicht nur das Ratespiel, auch die vielfältig eingesetzten Medien machen die Schau zum Wahrnehmungserlebnis. Von Eckert werden Skulpturen, Collagen, Installationen, Fotografien und ein Künstlerbuch gezeigt. Der Ausstellungsraum wird in die Konzeption mit einbezogen. So schaut ein Rabe aus einem Mauerloch auf die Besucher herab. In einem Nebenraum wurde mit Staffelei und Liegestuhl ein Andachtszimmerchen für die Kunst geschaffen.

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The Never Never / Part one & two, Foto: N. Müller
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Micellaneous

Bei seinen Fotos arbeitet Karl-Heinz Eckert mit Reihungen, die den Betrachter zum Vergleich herausfordern. Was bewirkt Unschärfe? Wie erfolgt die Perspektivänderung? Wiederholungen, Spiegelungen erzeugen einen Dialog zwischen den Werken, einem Verschieben der Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit. Die Kabel aus „Micellaneous“ wirken als wären sie gerade aus der Wand herausgezogen worden. Die Serie „Lorchel“ untersucht die Merkmale von Ästhetik. Eckert sieht stellvertretend für den Betrachter mal aus der Nähe, mal aus der Ferne. Er umkreist das Werk neugierig. Mit einem dekonstruktivistischen Ansatz zerlegt er die Welt und setzt sie so neu zusammen, so dass dadurch neue Erkenntnisse entstehen.

Die Werke Berliner Künstlers sind noch bis 17.01.2017 im Schweriner E-Werk zu sehen. Eckerts Arbeiten wurden u.a. schon im Goethe Haus in New York ausgestellt.

Ein Querschnitt zeitgenössischer, regionaler Kunst

23. Herbstsalon der Kunstsammlung Neubrandenburg

Warum verwendet die Künstlerin Röntgenaufnahmen als Druckuntergrund? Was ist ein Porträt?, fragte sich so mancher Besucher angesichts der präsentierten Werke im 23. Herbstsalon der Kunstsammlung Neubrandenburg. 23 der bedeutendsten Gegenwarts-Künstler aus MV waren am 26. November in die 4-Tore-Stadt gereist, um ihre Werke zu präsentieren und zu verkaufen. So bot sich eine günstige Gelegenheit, die Trends der regionalen zeitgenössischen Kunst zu erleben und mit den Malern und Bildhauern über diese Entwicklungen zu reden.
Einige der Kunstschaffenden sind Quereinsteiger. So zeigte die ehemalige Krankenschwester Monika Bertermann ihre Werke. Als Bildträger verwendet sie nicht etwa eine Leinwand oder Papier, sondern ausgediente Röntgenbilder. Als Palimpsest setzt sie ein Bild über das andere, überdeckt ein Stück durchleuchtete Schöpfung mit einem Stück neuer Schöpfung.

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Monika Bertermann Collage aus Röntgenbildern, Foto: N. Müller

Eines der Urgesteine der Neubrandenburger Kunstszene ist Karlheinz Wenzel. Seit 1970 arbeitet er dort und gibt sein Wissen an junge Kunstschaffende weiter. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in Berlin Weißensee bei progressiven Vertretern der realistischen Kunst in der DDR, wie Arno Mohr und Bert Heller. Wenzels Werke werden allerdings bestimmt von abstrakten Strukturen, sie stellen die Form vor den Inhalt und halten so Stimmungsbilder fest.

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Karlheinz Wenzel spricht über seine Bilder, Foto: N. Müller

Nicht nur die zeitgenössische regionale Malerei wurde im Herbstsalon der Kunstsammlung sehr fassettenreich vorgestellt, auch einige einheimische Bildhauer waren vor Ort. Wie Karlheinz Wenzel wurde auch Michael Mohns in Berlin Weißensee ausgebildet. Sein Atelier hat er in Tarnow bei Bützow. In seinem Werk konzentriert sich der studierte Biologe oft auf Einzel-Formen und Details (z.B. Schädelformen), die er immer weiter abstrahiert. In der Ausstellung zeigte er auch Vorarbeiten, die die Werk-Genese verdeutlichten. Seine Arbeiten erinnern an die Verbindung von Kunst und Naturwissenschaft, die seit der Renaissance besteht und den Künstler zum Forscher und zweiten Schöpfer macht.

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Ausgestellte Skulpturen im 2. Herbstsalon, Foto: N. Müller

Alexander Neroslow: Poesie in Farbe

Diese Bilder sind noch auf der Suche nach einem Museum, nach einem festen Platz im kulturellen Raum. Noch bis 27. November zeigt das Stralsund Museum in der Sonderausstellung „Poesie in Farbe“ ausgewählte Werke von Alexander Neroslow. Die kleine aus einer Privatsammlung stammende Bilderauswahl zeigt die wesentlichen Eckpfeiler seines Schaffens: Porträt, Landschaftsmalerei und Aquarell. Sie spiegeln die Schönheit und Rauheit der nordischen Landschaft und das vermeintlich Typische ihrer Bewohner. Mit 62-Jahren hat Neroslow das erste mal den Darß besucht, von da an malt er dort immer wieder. Die Motive kennzeichnet eine sachliche Ruhe. Mal unterhalten sich wohl komponiert Fischerfrauen. Mal leuchten prachtvolle Blumen auf einem Stillleben. Es scheint als sei der Maler zur Ruhe gekommen noch einem bewegten Künstlerleben.

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Wartende Frauen am Kurischen Haff, Aquarell 1944
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Alexander Neroslow

1891 in St. Petersburg geboren verließ Neroslow Russland, um in Dresden Architektur zu studieren. Dort lernte er unter andrem Otto Dix und Hans Grundig kennen. Wie bei vielen Zeitgenossen, führte der erste Weltkrieg zu einem Bruch in seinem Leben. Der Deutsch-Russe wurde als Zivilgefangener in Meißen interniert. Als er wieder freikam, ging er nach Berlin und beschloss Kunst zu studieren. Wieder in Dresden schloss er sich der Widerstandsbewegung an. Wegen seiner Mitgliedschaft in einer illegalen Gruppe wurde er in einem Schauprozess vom Volksgerichtshof Berlin zusammen zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zum Tag der Befreiung, dem 8. Mai 1945, blieb Neroslow politischer Gefangener im Zuchthaus Waldheim in Sachsen.

Wie sich diese Erfahrungen in seinem Werk niederschlugen ist schwer zu sagen, denn ein Großteil seines künstlerischen Werks ist während des Bombenangriffs auf Dresden zerstört worden.

Nach dem Krieg begann dann allerdings eine rege Phase der künstlerischen Tätigkeit mit vielen Ausstellungen. Neroslow lehrten Porträtmalen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Im Kulturhistorischen Museum sind einige seiner eigenen Porträts zu sehen. Sie zeigen sein Interesse an den einfachen Menschen. Vor monochromen Hintergrund wird das Wesen der Porträtierten fokussiert. Neben Porträts sind in diesen Jahren auch eindrückliche Fotografien entstanden, von denen einige die Grundlage für seine Malerei bildeten.

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Porträts im Stralsund Museum, Foto: N. Müller

Als in Kunst des sozialistischen Realismus die Formulismusdebatte immer mehr bestimmte legte der Quergeist sein Lehramt nieder. In seinen Landschaftsbildern flieht er vor den Restriktionen. Erobert sich in der Grafik mehr Freiheiten. In seinem Aquarell „Strandlagune am Esper Ort“ überschreitet er die Grenze der gegenständlichen Darstellung durch den artifiziellen Gebrauch der Linie entwickelt er eine moderne Formensprache.

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Kunst heute – Mit den Werken die Welt wandeln

Kunst heute – mit diesem landesweiten Aktionsprogramm wird seit einigen Jahren mit vielfältigen Ausstellungen die zeitgenössische Kunst in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Dabei hat man die Chance, Werke von Künstlern zu entdecken, deren Schaffen noch nicht in den großen Kunstschauen aufgetaucht ist.

„Kunst heute“ in Stralsund brachte Kunst in den öffentlichen Raum, u.a. in die Stadtbibliothek. Dort zeigt die Barbara Wetzel in ihrer Ausstellung zahlreiche Holzschnitte. Die in Wittenberge geborene Künstlerin ist gelernte Steinmetzin und hat in Dresden Bildhauerei studiert. Am Holzschnitt schätzt sie die Möglichkeit des direkten Ausdrucks und der direkten Reaktion. Ihre Blätter kombinieren filigran Muster und Motive. Die überlängten Figuren auf ihren Drucken erinnern an die zerbrechlichen Plastiken von Alberto Giacometti und die Verletzlichkeit des Menschen. Mit ihrer Kunst möchte sie sich einmischen in die Gesellschaft. Dabei holt sie sich auch immer wieder Anregungen aus dem Theater und der Literatur. Weil es die Existenz der Künstlerin beschreibt, fasziniert sie insbesondere Virginia Woolfs Essay „Ein eigenes Zimmer“. Mit Witz und Poesie erzählen beide Frauen vom künstlerischen Schaffen und der Akzeptanz in der Gesellschaft.

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Sechs weitere Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern präsentieren ihre Werke bis heute in der Kultur Kirche St. Jakobi. Gleich am Eingang faszinieren die aufgehängten Kopfkissen von Jorinde Gustavs die Besucher der Kirche. Unverblümt sind sie eine Absage an den Egoismus und die Egozentrik in der Gesellschaft und formulieren andere anzustrebende Werte. Ähnlich wie Barbara Wetzel will auch Gustavs diese mit ihren Werken beeinflussen. Dabei setzt sie auch gern auf das Mittel der Provokation, wie -vor einigen Jahren- die Ausstellung mit einem gynäkologischen Stuhl in der Marienkirche in Stralsund. Mit ihrer Konzeptkunst erobert sie den Raum.

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Auf eine ungewöhnliche Technik setzt Monika Bertermann mit ihren Materialdrucken auf Röntgenbildern. Vielleicht ist das ein Rückbezug auf ihre Ausbildung als Krankenschwester. Die abstrakten, collageartigen Arbeiten thematisieren, dass Sehen nur fragmentarisch ist.

Abstraktes Arbeiten kennzeichnet auch die anderen an der Ausstellung beteiligten Künstler. In einem engen formalen Dialog stehen die Arbeiten der Neubrandenburger Künstler Bernhard Schrock und Karlheinz Wenzel, auch wenn sie sich jeweils mit anderen Inhalten beschäftigen. Der in Berlin Weißensee ausgebildete Wenzel setzt insbesondere die Küstenlandschaft in Szene. Der ausgebildete Schlosser und seit 1980 als freischaffender Maler und Grafiker Bernhard Schrock zeigt ein Triptychon zur Lyrik von O. Paz.

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Bernhard Schrock, o. T.  zu Lyrik von O. Paz, Foto. N. Müller

Die Stralsunder Künstlerin Grit Piolka und Wolweber komplettieren die Ausstellung mit ihren Werken. Grit Piolka zeigt, wie leicht und haptisch zugleich Ölmalerei sein kann. Ihre Arbeiten vermeiden die geschlossenen Formen, lassen über verschiedene Schichten schimmernd ein Bild entstehen. Sie zeigen eine neue, frische Auffassung von Mee/hr-Motiven.

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Grit Piolka „Segler“, Foto: N. Müller

Bartels: Ein Maler ohne Staffelei

Bartels: Ein Maler ohne Staffelei

Ausstellung „Einfach und nur schön“ in Rostock

Menschen wandeln durch die Dunkelheit, Laternen weisen ihnen den Weg. Gerade jetzt im Herbst hat Licht wieder eine eindringlichere Wirkung, jeder denkt gern an die Laternenumzüge aus der Kindheit. Der Maler Rudolf Bartels (1872-1943) hat diesen schönen Moment in seiner bekanntesten Gemäldeserie, die „Laternenkinder“, festgehalten. Das kulturhistorische Museum Rostock zeigt sie neben anderen seriellen Bildern noch bis zum 2. Oktober in der Ausstellung „Einfach und nur schön“.

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Die Ausstellung thematisiert die Bildserien von Rudolf Bartels, Foto: N. Müller

Fast expressionistisch muten seine Winterbilder an, die ihn von den anderen Vertretern der Schwaaner Künstlerkolonie unterscheiden. Das bisher bekannte Oeuvre umfasst rund 250 Arbeiten. Sie zeigen zumeist Landschaftsbilder, Blumen, blühende Bäume, Rostocker Stadtansichten, aber auch Friedhöfe. Die Petri- und Nikolaikirche malt er mehrfach. Als er vor 99 Jahren nach Rostock kam, hatte die Hansestadt noch vier Gotteshäuser.

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Rostock im Winter, Foto: N. Müller

Rudolf Bartels gehöre zu den nord­deutschen Avantgardemalern des 20. Jahrhunderts. Ab 1887 erlernte Bartels den Beruf eines Dekorationsmalers und war von 1892 an in verschiedenen Städten Deutschlands als Maler tätig. 1900 begann er ein Kunst-Studium bei Theodor Hagen in Weimar. Bis 1912 beschäftigte sich Bartels mit der Wirkung von Spektralfarben und gebrochenen Farben. Er tritt damit in die wissenschaftlichen Fußstapfen u.a. von Goethe. Das bekannteste Resultat dieser Forschungen sind die „Laternenkinder“.

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Die Serie „Laternenkinder“ in der Ausstellung, Foto: N. Müller

Das Besondere an Rudolf Bartels: Der leidenschaft­liche Künstler hat laut kunsthistorischer Forschung nie eine Staffelei besessen.